Samstag, 10. März 2012

Die abgerissene Fingerkuppe - was darf ein lawblog?

Unter der Übeschrift "Kino inspiriert" präsentierte Grimme-Online-Award-2011-Preisträger in der Kategorie “Information” Udo Vetter das Foto der abgerissenen Fingerkuppe eines Einbrechers, der sich offensichtlich an einem Tresor verhoben hatte. Das Foto ist nicht sonderlich appetitlich und ich schwanke zwischen Mitleid und Schadenfreude für den nun dauheraft gezeichneten Gesetzesbrecher. Meine Reaktion ist ganz sicher nicht nur auf die schriftliche Information des Artikels zurückzuführen, sondern auch auf das abstossende Bild. Udo Vetters lawblog vertraut ganz überwiegend auf das geschriebene Wort, so dass die Leserschaft sich weitgehend darauf verlassen kann, keine Ladezeit für Bilder verschwenden zu müssen und erst recht nicht mit ekelerregenden Fotos konfrontiert zu werden. Dementsprechend geteilt fiel das lesenswerte Echo in der Kommentarleiste aus. Der Autor muss sich den Vorwurf der Geschmacklosigkeit gefallen lassen, andere Leser fordern seriöse Texte ohne Ekelfotos oder zumindest eine deutliche Vorwarnung, während sich weniger zartbesaitete Rechtsfreunde von dem Foto zu detailierten Analysen inspiriert fühlen: "Oben ist der Fingernagel mit dem üblichen Dreck drunter. Der vorgeblich lange Teil, der aussieht, wie ein gepflegter Frauen-Fingernagel ist der Teil, der im Nagelbett heranwächst. Dafür spricht, dass der aufgeplatzte Teil die entsprechenden Papillarleisten aufweist."

Um mich kurz zu fassen: Der Autor eines Artikels, der sich einer zusätzlichen sachlichen Bildinformation bedient und damit themenbezogene Reaktionen bei den Lesern hervorruft, die in eine Diskussion auch über das Für und Wider der Veröffentlichung derartiger Tatortfotos mündet, hat alles richtig gemacht.

8 Kommentare:

  1. Wer mit solchen Bildern ein Problem hat, ist wahrscheinlich sowieso zu schwach für den Juristenberuf, der öfters mal harte Nerven fordern kann.

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  2. "Ich, dagegen, mag keine Bilder von Spinnen."

    Genial! ...

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  3. Bei mir sind's Bilder vom tiefen Mehr. Das macht mir Angst, irgendwie, weil unter der Oberfläche so viel Zeugs lauern könnte.

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    1. Phobien bekämpft man ja bekanntlich durch Konfrontation. In diesem Fall wäre also ein Tauchgang im Tiefseeubot auf Kassenkosten angebracht...verdammt, warum hab ich so was nicht!?

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  4. noch meer, mehr, mähr, mär??

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  5. Das Finger-Bild bei Udo Vetter finde ich nicht so dramatisch, aber prinzipiell fände ich bei drastischen Fotos eine Vorwarnung angenehm oder angemessen. Wo die Grenze dafür verläuft weiß ich auch nicht, Tote an sich erschüttern mich nicht so sehr, aber Bilder von Menschen, die auf widerliche Weise ums Leben gebracht werden, können mich durchaus mitnehmen, auch wenn das Foto an sich harmlos ist. Im SPIEGEL sah ich einmal vor Jahren ein Bild aus Paraguay, dessen Inhalt an sich nicht das Problem war. Aber es war zu erkennen, daß kurze Zeit später etwas vollkommen Widerwärtiges geschehen würde.

    Auf einer amerikanischen Webseite, die für ihre tollen Bilder bekannt ist, werden Bilder mit verstörendem Inhalt teilweise verdeckt gezeigt, man muß sie extra anklicken.

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  6. Das Leben ist kein Ponyhof.
    Der Schreiber soll sich lieber mit niedlichen Katzenbildern beschäftigen. Das ist nur eine abgerissene Fingerkuppe und keine zerstörten Leichen. Solche Bilder sollte man bereits mit 14 ertragen. Zumindest darf man hier ab 14 ins Polizeimuseum, und da sieht man abgerissene Hände die in Alkohol schwimmen.

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