Dienstag, 4. September 2012

"Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg´ ich das Kotzen"

Wegen dieses Fernseh-Statements von Unioner Christopher Quiring (21) nach dem verlorenen Berliner Derby an der Alten Försterei zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC (1:2) am vergangenen Montag schrillen die Alarmglocken der gesamtdeutschen Vereinigungsmeierei.

Die unerhörte verbale Auferstehung der Demarkationslinie zwischen den ehemaligen deutschen Staaten durch einen Fußballspieler gehört bestraft, finden nicht Wenige.

Der Ruf nach Spielsperren wird laut, die mediale Erziehung zur Meinungsfeindlichkeit hat gefruchtet. Wo die Zensur fehlt, wird Strafe gefordert. Wo "Scheißmillionäre" die Stadien des geeinten Vaterlands regieren ist eben kein Platz für die Meinungsfreiheit von Fußballspielern, die glauben, ihrer Enttäuschung nach einem verlorenen Spiel durch herkömmliche Abgrenzungen mit dem Gegner Luft machen zu dürfen. Gefordert wird der Spieler mit Eiern in der Hose, dem Herz am richtigen Fleck und der Zunge stets im Zaum. Wie erbärmlich. Eisern Union ist Osten, Hertha ist Westen und wenn die Wessis bei den Ossis gewinnen, dürfen die auch das Kotzen kriegen!

Kommentare:

  1. Für einen, der 1990 geboren ist, finde ich so ein Statement zumindest bemerkenswert.

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  2. Es ist doch nichts bemerkenswertes daran, eine Unterteilung von Vereinen, Landesteilen, Stadtteilen oder deren Bewohner an Hand der historischen Teilung Deutschlands zwischen Ost und West und/oder zwangsläufig fortbestehender geografischer Realitäten vorzunehmen und sich dabei populärer Kurzformen zu bedienen.

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  3. Das ist zu kurz gedacht.

    Natürlich bestehen geografische Realitäten fort, die Abgrenzung Ossi/ Wessi impliziert aber deutlich mehr. Wenn Sie Ihrer eigenen Argumentation folgen, wäre ja auch nichts bemerkenswertes daran, Spieler und Anhänger von deutschen Vereinen beispielsweise als "Nazis" zu bezeichnen. Ist ja auch eine "populäre Kurzform".

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  4. Das ist zu weit gedacht.

    Im Gegensatz zur Kurzbezeichnung "Nazi" als Kurzbezeichnung für eine Person mit nationalsozialistischer und damit verfassungsfeindlicher Gesinnung geben die Bezeichnungen "Ossi" und "Wessi" keine Unterstellung einer bestimmten politischen Einstellung her, sondern beziehen sich lediglich auf eine geografische Zugehörigkeit innerhalb Deutschlands, die sich an der ehemaligen deutschen Teilung orientiert. Alles andere spielt sich im Hinterkopf unausgewogen vorgeprägter Journalisten und desorientierter Rezipienten ab.

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