Montag, 13. Mai 2013

Mein Anwalt, mein Feind


Das Volk hat Angst vor uns. Die Angst vor dem Anwalt ist dabei oft noch größer, als die Angst vor dem Gegner, denn es geht ums Geld. Anscheinend hat der Gegner dem Anwalt gegenüber eine wesentliche Charaktereigenschaft voraus. Er ist ehrlich. Er sagt was er will und wieviel Geld er haben will. Das tut der Anwalt offenbar nicht - wohlgemerkt der eigene Anwalt. Er verschweigt sein wahres Anliegen und präsentiert seine Rechnung erst zum Schluß. Er ist hinterhältig und jedenfalls bösartiger als der Gegner und desssen Anwalt. Er fällt seinem Mandanten am Ende in den Rücken und entpuppt sich durch seine Rechnung als der wahre Feind. So scheint es bisweilen, wenn ich einige Kommentare in meinem Blog lese. Es muss diese Angst vor Rechtsanwälten sein, die vielen Kommentatoren innewohnt.

Zum besseren Verständnis erlaube ich mir, einen dieser Kommentare vollständig zu zitieren, der da lautet:

"Meine Mutter bekam ein Zahlungsaufforderung von Melango für einen Jahresbeitrag von 245 €, obwohl sie sich nie angemeldet oder diese Seite besucht hat. Als sie eine Kopie des "Vertrages" bekam, waren alle ihre persönlichen Daten dort zu sehen (Wohnanschrift, Name usw.). Die erste Zeit haben wir versucht zu kündigen und die Zahlung nicht zu leisten. Wir haben die Kündigung mit einer Vorlage des Verbraucherschutzes geschrieben, in der Stand, dass es hier nur um abzocke geht, es sich um eine Arglistige Täuschung und um den Missbrauch persönlicher Daten handelt. Es kamen jedoch immer nur Mahnungen und Drohungen wegen angeblichen Betruges. Nach einigen Internetrecherchen, Telefonaten beim Verbraucherschutz und Gesprächen bei der Polizei wurde meiner Mutter mitgeteilt, dass sie wen sie einen Anzeige gegen Melango machen würde sich selbst Anzeigen würde wegen Betrugs, da ihre Daten ja alle vorhanden sind. Daraufhin haben wir aus Angst gezahlt. Was sollen wir nun tun?"

Wie gross muss die Angst vor der Inanspruchnahme anwaltlicher Rechtsberatung sein, wenn bei einer offensichtlich unberechtigten Forderung von EUR 245,- lieber ohne Hilfe oder mit Hilfe der Verbraucherschutzzentrale mit dem Gegner korrespondiert wird? Wenn bei einer Flut von Artikeln im Internet zum Thema Melango kein Schreiber aus der Anwaltszunft kontaktiert wird? Wie groß muß der Abscheu vor Advokaten sein, wenn lieber die Polizei um Rat gefragt wird und es am Ende besser scheint, die offensichtlich unbegründete Zahlungsaufforderung des Gegners auszugleichen, anstatt einmal einen Rechtsanwalt um Hilfe zu bitten?      

Kommentare:

  1. Es geht auch anders. Ein Artikel auf meinem blog bescherte mir eine Flut von Kleinmandaten gegen ein betrügerisches Tele-Shopping Unternehmen. Bei Mandatsannahme wies ich stets auf die Kosten hin und dass eine Erstattung durch die Gegenseite ungewiss wäre. Sehr häufig hörte ich den Satz, lieber bekommen Sie das Geld, als das DIE es behalten dürfen. Das nenne ich eine deutliche Aussage!

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  2. Bei Facebook gibt es eine ganze Reihe von selbst ernannten Rechtskundigen, die die Betroffenen mit dummen Ratschlägen überhäufen.

    Tenor :

    Tu nix, spare Dir Dein Geld !

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    1. ... das Gegenteil von tu` was und zahle trotzdem.

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    2. Och Herr Neuber, "dumme Ratschläge von selbst ernannten Rechtskundigen"... nicht doch, wer tut denn so etwas?

      Allerdings habe ich Verständnis für die Verweigerungshaltung gegenüber gewissen Anwälten, die sich und ihre Dienste gegen Melango neuerdings wie Sauerbier anbieten. Bei einem RA speziell hat man den Eindruck, dass nämlicher Anwalt den Abofallenstellern näher steht, als einem Ratsuchenden lieb sein kann.

      Der hier bloggende RA scheint hingegen gar keine Probleme zu haben, Mandanten gegen Melango generieren zu können, wie man unschwer der Anzahl an erwirkten Urteilen gegen Melango ersehen kann.

      Ob da wohl ein innerer Zusammenhang zu erkennen ist?

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  3. Das hängt meines Erachtens stark damit zusammen, dass RAe selten vernünftig kommunizieren, welches Honorar am Ende anfällt und damit intransparent ist.
    Außerdem ist es ja auch immer die wirtschaftliche Betrachtungsweise, die wichtig ist. Um in ihrem Beispiel zu bleiben, warum sollte ich vielleicht mehr als 245 Euro an einen Anwalt zahlen, um am Ende (vielleicht) nichts an Melango.de zu zahlen? Dann denken sich wahrscheinlich viele, zahl ich lieber sofort. Dass man sich damit vielleicht noch in andere rechtliche Fallstricke verfängt, wissen viele einfach nicht und erahnen es auch nicht.
    Zudem ist natürlich auch die Annahme verbreitet "Anwalt = teuer". Stundensätze von 200 Euro und mehr sind halt für viele nur schwer zu verdauen, wenn man selbst nur wenig verdient.
    Dieser Kommentar soll kein Anwalt-Bashing sein, nur auf meine Sicht der Dinge hinweisen.

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    1. Die Beratung in einer solchen Sache würde nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz wohl knapp EUR 30,- kosten. Man könnte wenigstens einmal anrufen und fragen.

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  4. Seien wir doch froh, wenn wir von solchem Clientel verschont bleiben. Wer zu doof ist, um mündig im Internet zu surfen, ist meistens auch zu doof, um Geld für einen Anwalt zu haben. Daher ist es doch toll, wenn solche Leute (nur) Verbraucherzentralen nerven, sich bei der Polizei Rechtsrat einholen und sich ggf. noch in Internet-Foren gegenseitig beraten. Die hierdurch gesparte Zeit können wir gewiss sinnvoller einsetzen.

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