Freitag, 18. Mai 2012

"Ich hasse Bayern München" - Meinungsfreiheit auch für Politiker?

Meinungsfreiheit ist etwas für Vollpfosten und nicht für Politiker. Ganz genau so hat das Tobias Thalhammer, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion in Bayern, nicht gesagt.

Seine Reaktion auf das in der obigen Überschrift wiedergegebene Zitat der Landesvorsitzenden der FDP in Baden-Württemberg und stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, Birgit Homburger, lautete anders: "So einen dummen Spruch kann nur ein Vollpfosten bringen."

Ich unterstelle einmal, dass Frau Homburger die Wahrheit gesagt hat und sich nicht wie so viele Politiker vor ihr mit einer Lüge ins Rampenlicht des öffentlichen Interesses geschoben hat. Sie hasst also Bayern München. Ich unterstelle ferner, dass Herr Thalhammer seine durchaus beleidigende Missfallenskundgebung gegenüber Frau Homburger nicht auf Grund der Tatsache geäußert hat, dass diese in ihrer Aussage nicht zwischen dem Fußball-Club Bayern, München e. V. und der aus dem Verein ausgegliederten Profifußballabteilung FC Bayern München AG unterschieden hat. Der Hass von Frau Homberger wird sich im Zeifel auf beide in Betracht kommenden juristischen Personen beziehen.

Damit bleibt festzuhalten, dass sich Frau Homburger als bundesdeutsche Spitzenpolitikerin derzeit im Zentrum der Kritik befindet, weil sie ehrlich und offen ihre innere Einstellung zu Bayern München bekundet hat. Weil sicher mehr als die Hälfte der deutschen Fussballfreunde die innere Einstellung der FDP-Politikerin teilt, kann sich der Vorwurf des Vollpfostentums nur auf die in der Tat selten anzutreffende Ehrlichkeit eines Politikers beziehen.

Insoweit stimme ich dem parlamentarischen Geschäftsführer der bayrischen FDP-Landtagsfraktion zu. Wer sich als Politiker seiner uniformen Fassade begibt und die Sicherheit seiner finanziellen Versorgung auch nur ansatzweise durch die Kundgabe seiner eigenen Meinung gefährdet, kann guten Gewissens als Vollpfosten bezeichnet werden.

Kommentare:

  1. Naja, wer junge Leute, die Fussball spielen - ganz gleich in welchem Trikot - wirklich hasst, der muss wenn er das öffentlich äußert wohl damit Leben als Vollpfosten bezeichnet zu werden.

    Kann man nicht einfach sagen mein Herz schlägt für den und den Verein? Das muss ja nicht gleich mit Hass gegen jeden anderen verbunden werden. Schon gar nicht wenn man sich in der Öffentlichkeit und nicht am Stammtisch äußert

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  2. Der Bayern-Hass in Fussball-Deutschland ist in seiner Quantität und Qualität ein Phänomen, das nichts mit dem ausserhalb der Fussballwelt bekanntem Hass zu tun hat. Es geht dabei um eine Abneigung gegen die Arroganz und Macht des Geldes im Fussball, die dieser Verein wie kein anderer in Deutschland verkörpert. Der Bayern-Hass im Fussball ist mehr ein Schlagwort als das anderweitig tief empfundene Gefühl einer schweren Aversion.

    Natürlich kann man seine Abneigung gegen die Manifestation der Macht des Geldes im bundesdeutschen Fussball auch anders ausdrücken, aber nicht, in dem man die Zuneigung zu seinem Verein bekundet.

    Eine zurückhaltendere Umschreibung der Abneigung wäre schlicht eine gefilterte Meinungsäußerung und damit eine unehrlichere Kundgabe, die dem Bayern-Hass in diesem Zusammenhang nicht gerecht würde.

    Wenn man die Bedeutung der beiden Äußerungen allerdings richtig einschätzt, sollte man beide hinnehmen können, ohne ein Drama daraus zu machen. So etwas muss man auch als Politiker sanktionslos sagen dürfen.

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