Samstag, 15. September 2012

Abmahnung von Borussia Mönchengladbach wegen Kartenverkauf über Ebay

Borussia Mönchengladbach, besser: Borussia Verein für Leibesübungen 1900 Mönchengladbach e. V., mahnt den Verkauf von Tageskarten über Ebay ab. Gemäß Ziffer 7a ihrer ATGB (Allgemeine Ticket-Geschäftsbedingungen) sei dies ausdrücklich untersagt, denn jeder Ticketverkauf erfolge ausschließlich auf Grundlage dieser AGB. Verwiesen wird auf die Website www.borussia-ticketing.de. Die Borussia macht mit ihrer Abmahnung eine Vertragsstrafe in Höhe von EUR 250,- geltend und meint, bis zu EUR 2.500,- geltend machen zu können. Auch eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung wird gefordert. Mit der Zahlungsaufforderung zu Gunsten der gemeinnützigen BORUSSIA-STIFTUNG soll dem zaudernden Ebay-Verkäufer ein wenig unter die Arme gegriffen werden.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Vorgehen von Gladbach um eine flächendeckende Maßnahme, da in der Abmahnung etwas unwirsch vermerkt wird: "Telefonische Rückfragen sind nicht möglich!". Die Einrichtung der E-Mail-Adresse ebay@borussia.de unterstützt diese Annahme. Wer sich nicht mit dem Zahlungswunsch der Borussia anfreunden kann, wird von den Kollegen Grub Frank Bahmann Schickhardt Englert Rechtsanwaltspartnerschaft, Anwalts- und Notarkanzlei, Solitudestraße 20, aus 71638 Ludwigsburg unter Beifügung einer Rechnung für Anwaltskosten aufgefordert, dem Begehren des Bundesliga-Vereins nachzukommen. Mit dem Schreiben durch einen Rechtsanwalt soll offenbar der Druck erhöht werden. 

Die Bedingungen der Borussia für den Verkauf von Eintrittskarten, die sie mit ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchsetzen möchte, sind streng. So soll einem Ticketinhaber grundsätzlich untersagt werden, Tickets bei Internetauktionshäusern zum Verkauf anzubieten und im Rahmen einer privaten Weitergabe die Bundesligakarten zu einem höheren Preis als den, der auf den Tickets angegeben ist, zu veräußern. Auch die Weitergabe von Tickets an Anhänger von Gast-Vereinen soll verhindert werden. Auf Verlangen des Clubs soll der Kunde im Falle einer Weitergabe des Tickets sogar dazu verpflichtet sein, Name, Anschrift, Geburtsdatum und Religionszugehörigkeit* des neuen Ticketbesitzers mitzuteilen. Ein Ticket soll gar ungültig werden, wenn sich der Ticketinhaber nicht an die strengen Verkaufsbedingungen hält. 

In weiser Voraussicht hat der Gesetzgeber Allgemeine Geschäftsbedingungen jedoch einer Inhaltskontrolle nach den §§ 307–309 BGB unterworfen. Insbesondere sind nach § 307 BGB Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen unwirksam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Die Verbote der Weiterveräußerung im Rahmen der ATGB, wonach es dem Ticketinhaber untersagt werden soll, Tickets bei Internetauktionshäusern zum Verkauf anzubieten und im Rahmen einer privaten Weitergabe die Tickets zu einem höheren Preis als den, der auf den Tickets angegeben ist, zu veräußern, könnten eine unangemessene Benachteiligung im Sinne des § 307 I BGB darstellen, weil der Ticketinhaber nach den Vorstellungen des Bundesliga-Clubs allein das wirtschaftliche Risiko für den Totalverlust des Ticketpreises trüge und stets das Risiko für einen geringeren Verkaufspreis hinnehmen müsste, ohne im Einzelfall eine Karte auch mit Gewinn verkaufen zu können. Ein derartig grundlegender Eingriff in die Dispositionsfreiheit eines Fussballfans als Privatperson über das Wirtschaftsgut Eintrittskarte erscheint zu weitgehend und dürfte damit unwirksam sein.

*(kleiner Scherz am Rande) 

Kommentare:

  1. Habe heute ein solches Schreiben von Borussia Mönchengladbach bekommen, nachdem ich vier Tickets bei eBay versteigert habe. Ich soll nun 250€ Vertragsstrafe zahlen und die beigefügte Unterlassungserklärung bis zum 21.09. unterschreiben zurück schicken. Ist das nun rechtens? Wie soll ich da jetzt am besten drauf reagieren? Darf die Borussia die verkauften Tickets nun sperren?

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    1. Wurden die Kaufverträge über die Karten beiderseitig erfüllt? (Kaufpreiszahlung/Lieferung)

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    2. Nachdem mich ein eBay-Mitglied über die Inhalte der AGB's aufgeklärt hat, habe ich die Auktion gestoppt und dem höchstbietenden geschrieben, dass er die Tickets nicht bekommen kann.
      Ich habe aber während der Auktion weder von Borussia noch von eBay eine Mail bekommen, sonst hätte ich die Auktion schon früher gestoppt.
      Was mich außerdem noch ärgert, dass eBay einfach meine Kontaktdaten an dritte weitergibt, fällt sowas nicht unter Datenschutz? Zumindest müsste man doch informiert werden...

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    3. Muss ich denn nun die Vertragsstrafe bezahlen? Bleiben die Tickets gültig?

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    4. Sehr geehrter Herr Anonym,

      Rechtsberatung
      kostenlos
      kann ich leider nicht anbieten.

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  2. Gut argumentiert und nachvollziehbar, jedoch ist das Risiko für den Abgemahnten vor Gericht in diesem Fall glaube ich schwer zu kalkulieren.
    Hier findet sich eine gute Übersicht über die doch sehr uneinheitliche Rspr:
    http://www.anwalt.de/rechtstipps/der-kampf-um-das-ticket-der-schwarzhandel-mit-bundesligakarten-in-der-rechtsprechung_010529.html

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  3. Ich finde das völlig richtig, dass die Bundesligavereine so viel wie möglich gegen das Ausmerzen des Zweitmarktes auf Ebay vorgehen.
    Für mich als Fußballfan ist es so ärgerlich, dass ich quasi nie die Chance habe, eine gute Karte für ein Topspiel zu bekommen ohne völlig überhöhte Preise auf Ebay bezahlen zu müssen.
    Ich möchte behaupten, dass die Mehrzahl der Fußballticketanbieter auf Ebay ihre Tickets mit Gewinnerzielungsabsicht verkaufen wollen und nicht weil sie zufälligerweise an dem Tag des Spiels verhindert sind. Und das ist, plump gesagt, asozial

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  4. Klar, total asozial. Den kleinen Fan wegen ebay abzocken und sich an die Grossverdiener nicht rantrauen: http://www.viagogo.de/Sport-Tickets/Fussball/1-Bundesliga/Borussia-Moenchengladbach-Karten
    Total sozial! Oder gleich wie Bayern München und Kaiserslautern, Kartenkontingente zu Viagogo für den Zweitmarkt rüberschieben! http://www.viagogo.de Abmahnungen gegen den einzelnen Fan sind asozial und feige!

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  5. Wer zockt denn hier wen ab? Die ganzen A****löcher, die als Mitglied bei M'Gladbach vier Tickets kaufen, obwohl sie nur eins brauchen, dann drei bei Ebay einstellen und sich mit dem Erlös die vierte Karte finanzieren und noch ein schönes Taschengeld verdienen oder der Verein, der sich dagegen wehrt, dass seine Tickets zu horrenden Preisen verkauft werden und er nichts davon hat? Also meine Meinung ist da sehr eindeutig.
    Ich möchte den "kleinen Fan" und das Geschrei mal sehen, wenn die beliebten Vereine dazu übergehen würden, ihre Tickets gegen Auktion bei Ebay zu verkaufen. Dann würden alle schreien, die geldgeilen und skrupellosen Vereine, stellen keine Tickets mehr für den "kleinen Fan" zur Verfügung.
    Kurz gesagt, wer Fußball-Tickets kauft, weiß auch genau, dass er sie nicht weiterverkaufen darf. Steht auf jeder Karte drauf. Also hör auf rumzuheulen, wenn dann doch etwas passiert. "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" (Meine Oma)

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  6. Der Verein verkauft doch vier Tickets an nur ein Mitglied. Wie kommst Du darauf, dass der Verein nichts davon hat? Gladbach will soviele Tickets wie möglich verkaufen, also machen sie das auch. Und hinterher jammern, wenn ausverkauft ist und andere das Risiko eines Weiterverkaufs übernommen haben, gilt nicht. Wer alles verkauft, zu Preisen die er verlangt, soll die Schnauze halten!

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  7. Okay, ich hab mich missverständlich ausgedrückt.
    Der Verein hat nichts von dem Mehrerlös, der aus der Differenz zwischen tatsächlichem Verkaufspreis und dem erzielten Verkaufspreis bei Ebay liegt. Diesen Mehrerlös, der bei Vereinen mit hoher Ticketnachfrage ein ansehnlicher Gewinn sein kann, streicht sich das Mitglied ein. Dem würde ich als Verein auch nicht tatenlos zusehen.
    Ticketpreise werden bei den Vereinen nicht nur unter Gewinnmaximierunggesichtspunkten festgesetzt, sondern (unter anderem) auch unter sozialen Aspekten. Man will eben eine Stehplatzkarte auch mal für 15 Euro verkaufen, damit der "kleine Fan" sich auch eine Karte leisten kann.
    Wie bereits oben beschrieben, möchte ich den Aufschrei mal sehen, wenn Mönchengladbach beim Topspiel gegen den FCB oder den BVB für ne Stehplatzkarte 50 Euro nehmen würde, nur weil sie es aufgrund der Nachfrage könnten.
    Nimm einfach zur Kenntnis, dass die Vereine nicht zu blöd wären, ihre Ticketpreise gewinnmaximierend zu verkaufen, es aber Gründe dafür gibt, dies nicht zu tun und ziehe deshalb daraus NICHT den Schluss, dass du deshalb dir den vom Verein nicht erzielten Gewinn einsacken darfst.

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    1. Ähh Borussia nimmt übrigens 20 Euro Top-Zuschlag auf jede Eintrittskarte beim Spiel gegen Bayern München.

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  8. Der Verein sieht nicht nur tatenlos zu, er macht munter mit, weil er nicht nur eine Karte pro Mitglied abgibt. Kann doch generell so gehandhabt werden, wenn man Schiss davor hat, dass Missbauch getrieben wird. So dolle ist es mit dem Sozialkram auch nicht, da wird zuerst dran gedacht, möglichst viele Karten zu verscherbeln. Sozial: Fussballkarten sind Luxus. Also entweder früh aufstehen wenn´s denn so dringend ist, oder zahlen was der Markt verlangt. Da werden Millionensummen transferiert und wenn sich das ein oder andere Mitglied auf eigenes Risiko mit mehreren Karten eindeckt, gibt´s Geschrei. Was für ein Schwachsinn.

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  9. Die Vereine geben mehrere Karten an Mitglieder ab, damit diese dann mit Freunden oder Bekannten sich das Spiel angucken und nicht zum Weiterverkauf, das kann doch nicht so schwer zu verstehen sein.
    Und bei Vereinen, die aufgrund einer breiten Fanbase und dementsprechender Ticketnachfrage nie ein leeres Stadion haben, hier von Risiko des Marktes zu faseln ist wohl eher lächerlich. Warum sollte ich mir als exklusiver Produktanbieter das Recht aus der Hand nehmen lassen, mein Produkt unter meinen Bedingungen (dazu zählt auch der Preis, an wen ich verkaufe und besonders ob ich Zwischenhändler einschalte) zu verkaufen? Umgekehrt wird ein Schuh daraus, wenn du mit diesen Bedingungen nicht einverstanden bist, kauf doch einfach ein anderes Produkt und heul nicht hinterher rum, dass es jetzt Ärger gibt.

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  10. Für das Bayernspiel gibt es max 2 Karten im vorverkauf. Und soviel anbieter gibt es bei Ebay auch nicht. MIr ist es selber passiert mein Kumpel mit dem ich fahren wollte wird anfang Mai operiert und wird bis zum spiel nicht fit sein darauf hin haben wir die Karten bei Ebay eingestellt .UND KEINE 3TAGE später flattert so ein schreiben von Gladbach bei meinen Kumpel ein. Ich bin auch dafür das mann nicht 10 Tickets kauft und damit handelt aber wir haben uns die Tickets ja gekauft weil wir selber zum Spiel wollen.und wenn jetzt einer bei Ebay. In letzte min ein Ticket kauft und dafür mehr zahlt find ich das auch nicht schlimm. Solang mann keinen grosshandel betreibt.Mann sieht ja schlieslich wievie Tickets der Verkäufer anzubieten hat.

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  11. Ich habe heute ebenfalls so ein schreiben von Borussia erhalten.
    Ich habe 2 Karten verkaufen wollen das ganze aber dann aufgrund einer Email die ich bekommen habe gestoppt.
    Ich habe die beiden Katzen also nicht verkauft.
    In diesem Schreiben soll ich sogar eine vertragsstrafe in Höhe von 509 Euro bezahlen!!!!
    Und als Bonbon noch eine Zahlungsfrist bis zum 29.9.!!!!!!!
    Bin echt schockiert. Solch ein Betrag und wahrscheinlich werden die Karten noch ungültig gemacht....
    Ich werde mich morgen gleich mit einem Rechtsanwalt in Verbindung setzen....

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    1. Jedenfalls sich selbst keinesfalls gegenüber der Borussia äußern.

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  12. Habe mich mit meiner Rechtsschutz Versicherung on Verbindung gesetzt.
    Die müssen erstmal prüfen ob die Versicherung für solch einen Fall überhaupt greift.
    Das hatten sie wohl noch nie.....
    Bekomme Montag Nachricht!!
    Bin mit meinen nerven momentan ziemlich am Ende

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    1. Selbst wenn die Versicherung nicht eintritt, ist der Streitwert nicht so hoch, als dass das nicht bezahlbar wäre.

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