Sonntag, 18. Februar 2018

Turboquerulantin und Deniz Yücel frei

Fast gleichzeitig wurden zwei der bekanntesten Journalisten Deutschlands aus der Haft entlassen und überschwenglich in der deutschen Öffentlickeit begrüßt. Natürlich tosten die Wogen der Begeisterung über die Freilassung der Turboquerulantin weitaus höher, als die Wellen der Freude über die Freilassung des türkischstämmigen Journalisten Deniz Yücel. Das hat verschiedene Ursachen, für die an dieser Stelle nach Erklärungen gesucht werden soll.

Es wird sicher nicht daran liegen, dass die Turboquerulantin eine Frau ist und Herr Yücel ein Mann, denn die Qualität eines Journalisten und die Teilnahme an deren Schicksal wird in Deutschland sicher nicht am Geschlecht festgemacht. Auch die Tatsache, dass Her Yücel die türkische Staatsbürgerschaft besitzt und die Turboquerulantin lediglich über einen deutschen Personalausweis verfügt, dürfte nebensächlich sein, obwohl im vorliegenden Vergleich das Sprichwort "Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland" eine Rolle spielen dürfte.

Im osmanischen Reich wird Yücel nämlich wegen der Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit verfolgt, während er in Deutschland schon allein für seinen Knastaufenthalt in der Türkei den Theodor-Wolff-Preis vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger erhielt. Wie so oft spiegeln gern gegebene Streicheleinheiten des politischen Marionettentheaters nicht das Nähebedürfnis des Volkes wieder, wenn es um Angelegenheiten des Herzens geht. Denn kein Patriot hat je vergessen, dass Yücel als Träger des Kurt-Tucholsky-Preises in der taz den baldigen Abgang der Deutschen als Völkersterben von seiner schönsten Seite begrüßt hat. Insbesondere in Ostdeutschland ist allgegenwärtig, dass er nur den Umstand, dass sich Ossis als Erste abschaffen, für wertvoller eingeschätzt hat, als das Verschwinden der ganzen Nation.

Weitaus weniger gespalten ist unser Land in seiner Freude über die Freiheit der Turboquerulantin, die schon immer die Nähe des deutschen Volkes gesucht hat. Unvergessen sind ihre Reportagen über Mutterglück und Familienfrieden sowie ihre E-Mail-Kampagne zur Beflügelung der Fortpflanzungsfreudigkeit deutscher Männer. Um der Abschaffung des deutschen Volkes mit allen Mitteln entgegenzutreten hat sie nicht einmal davor gescheut, Nacktselfies zu versenden, um wieder etwas Leben in die deutschen Schlafzimmer zu bringen. Anstatt sich dem Gejammer über sinkende Geburtenraten anzuschließen oder das Aussterben des deutschen Volkes zu betrauern, hat sie stets ihre eigene Sexualität in die Waagschale geworfen und auf ihre Weise der Nation gezeigt, das Taten wichtiger als Worte sind.

Wie Yücel ist auch die Turboquerulantin mit ihrer journalistischen Tätigkeit auf wenig Gegenliebe beim jeweils herrschenden Regime gestoßen und so sassen beide für viele Wochen zeitgleich im Knast. Leider erfährt die publizistische Mission der Turboquerulantin in den Medien bis heute nicht halb soviel Wertschätzung wie die investigativen Recherchen Yücels am Bosporus, so dass dem in der Türkei strafrechtlich verfolgten WELT-Korrespondenten sogar das bundesdeutsche Außenministerium zu Hilfe eilte, während der Turboquerulantin in der Haft nicht einmal das Amtsgericht Hamburg unter die Arme griff.

Trotz breiter Unterstützung in den Reihen der Bevölkerung dürfte auch der zukünftige Kampf der Turboquerulantin für die Wahrheit unter einem deutlich ungünstigeren Stern stehen, als die als Journalismus verpackte multimediale Inszenierung Yücels in der Rolle des publizierenden Märtyrers in kommenden Talkshows und anderen lukrativen Formaten. Während die Turboquerulantin als Enthüllungsjournalistin weiterhin am Existenzminimum gegen staatliche Zensur ankämpfen wird, kann sich Deniz Yücel sein Jahr im Knast lässig vergolden lassen. Was bleibt ist der bittere Nachgeschmack, dass der deutsche Staat keine Skrupel hat, sich mit aller Macht in strafrechtliche Verfahren souveräner Nationen einzumischen, während Gesetzgebung und Justiz in Deutschland weiter unbehelligt mit der Unterdrückung der grundgesetzlich garantierten Pressefreiheit beschäftigt sind.

Kommentare:

  1. "Während Gesetzgebung und Justiz in Deutschland weiter unbehelligt mit der Unterdrückung der grundgesetzlich garantierten Pressefreiheit beschäftigt sind."

    müsste genauer heißen

    Während Gesetzgebung und Justiz, angetrieben von geschäftstüchtigen Rechtsanwälten und dem promineten Pöbel unter dem Volk in Deutschland weiter unbehelligt mit der Unterdrückung der grundgesetzlich garantierten Pressefreiheit beschäftigt sind.

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    1. Meinen Sie wirklich, Rechtsanwälte treiben Gesetzgebung und Justiz insoweit an?

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    2. Ja, das meine ich.

      Für Juornalisten, Blogger und andere Äußernde stellen die Rechtsanwälte die größere finazielle Gefahr dar als die Richter. Rechtsanwälte sind auch teurer als Richter (Gerichtskosten).

      Für die Rechtsanwälte ist es ein (dreckiges) Geschäft. Der Arbeitsplatz von Richtern wäre trotz weit gehender Meinungsfreiheit nicht gefährdet. Anders für das Geschäft der Medienanwälte.

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    3. Beim Scherzanwalt C.Witz mussten(müssen?) Angestellte die yellowpress nach abmahnwürdigem Inhalt durchforsten. Oder meinen Sie Königin Dingsda liest das Neue Blatt?

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    4. Ob das in der Kanzlei Schertz & Bergmann der Fall ist, weiß ich nicht. Halte das für wenig wahrscheinlich. Seine Mandanten sind geschäftstüchtige, z.T. verlogene Mimosen. Die melden sich durchaus selbst.

      Könige, Prinzen hat Schertz nicht. Das macht die Hamburger Kanzlei des Prof. Prinz. Da liegen tatsächlich die Zeitschriften auf dem Boden und werden von Studenten und den Mitarbeitern gesichtet. Die Monarchen wissen davon nichts. Diese Kanzlei erhält Generalvollmachten und macht damit Zensurpolitik. Der Versuch, die englische Königen als Mandantin zu gewinnen, ging allerdings fehl. Die englische Königin steht über den Dingen.

      Das haben mir Mitarbeiter von dieser Kanzlei erzählt.

      Herr Möbius, damit Sie nicht als Störer mit der Hamburger Justiz Schwierigkeiten wegen dieser meiner für Sie unbewiesener Behauptung bekommen, machen Sie sich bei Prof. Prinz schlau und distanzieren Sie sich gegebenenfalls von diesem meinem Verdacht.

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  2. Toll wenn sich Anwälte selber feiern. Im Kopf an Kopf Rennen um den 2.Platz des "Isch kann noch Höckerer" Wettbewerbs ist hiermit ein leichter Vorsprung erreicht.
    Es bleibt spannend...

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    1. Klären Sie mich bitte auf, wer unangefochten auf Platz 1 liegt und wen ich beim Kampf um Platz 2 fürchten muss.

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  3. Das kann doch nicht wahr sein, der TQ2 muss wieder seinen Senf abgeben. Unqualifizierte Kommentare... Außerdem Herr @ Schälike, Sie haben uns belogen, Sie saßen nicht nur in der damaligen DDR im Gefängnis wegen Querulation ein sondern auch bereits in der BRD, denn Sie bezahlten ihre Ordnungsgelder immer und immer wieder nicht. Unterlassen Sie endlich Ihre Kommentare zu Themen von denen Sie keine Ahnung haben. Sie wollen genauso wie die TQ ständig über sich im Vergleich berichten. Es Interessiert aber niemanden. Lassen Sie sich endlich einweisen in eine Psychiatrische Klinik.

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    1. Woher der Groll gegen Herrn Schälike? Jedem seine Sichtweise.

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    2. Groll? Es ist Hilflosigkeit aus Dummheit! Soll sich Anonym austoben oder löschen Sie ihn einfach. Das wäre gesunde, zulässige Zensur.

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  4. @Rolf Schälike
    ...wenn Erwachsene sich unterhalten hat das Kind den Mund zu halten. Sie als Knasti haben nicht zu bestimmen wer hier was sagen darf. Sie sind ein Querulant und haben bereits einige male im Gefängnis gesessen. Also Knasti, Ruhe im Karton.

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  5. Der Herr Yücel entzieht sich derzeit der Öffentlichkeit und urlaubt. Vielleicht in der Toskana bei seinen taz-Freunden oder in Südfrankreich, in einer anderen WELT? Oder gar in Griechenland? Trifft er sich mit der TQ? Hecken sie eine Verschwörung aus? Wird die TQ dafür den Nobelpreis erhalten, weil sie sich für den allerfreiesten aller freien Journalismusse (weiß jemand den Plural von 'Journalismus'?) bem Einsitzen eingesetzt hat? Fragen über Fragen...Ich glaube, das Amtsgericht zu Nienburg wird es wieder richten. Oder auch nicht. Die Gechichte dauert an.

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    1. Herr Yücel erzeugt aktuell ein kleines Vakuum, das mit dem Kauf seines soeben erschienenen Buches ausgeglichen werden kann. Die Turboquerulantin schreibt noch an ihrem Buch.

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    2. >> Die Turboquerulantin schreibt noch an ihrem Buch.<<
      Als Titel schlage ich vor "Simones Schnurrpfeiffereien aus dem Knast" oder "Meine Zukunft liegt neben der Spur"

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  6. Herr Möbius, bekommen Sie nicht mit, dass Sie de facto Erdogan in seinem meinungsfeindlichen Vorgehen gegen seine tatsächlichen und vermeintlichen Gegner unterstützen.

    Anonym macht das ähnlich und Freut sich über die Bekämpfung der Meinungsfreiheit durch die DDR-Staatssicherheit.

    Hat man einer andere Meinung, dann darf eine Diktator denjenigen einsperren. Sie freuen sich.

    Eingesperrte sind de facto für Sie und Anonymus Querulanten, gehören in die Psychiatrie?

    Bekommen Sie nicht mit, auf welchem Pfad Sie sich bewegen und wer Ihre Mitstreiter sind?

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    1. Ich sehe nicht, wie dieser Artikel de facto Erdogan unterstützt, da ich weder zu Gunsten von Herrn Yücel noch zu seinen Lasten Stellung beziehe. Für mich sieht es allerdings so aus, dass die Bundesregierung in diesem Fall sehr deutlich zu Gunsten eines nach den Gesetzen der Türkei vermeintlichen Straftäters interveniert hat, ohne dass ich aus irgendeiner Quelle verlässlich nachvollziehen konnte, dass die Vorwürfe der türkischen Strafjustiz konstruiert sind. Die Untersuchungshaft beträgt meines Wissens nach in der Türkei fünf Jahre, unter bestimmten Voraussetzungen auch sieben Jahre und ob die gegen Yücel erhobenen Vorwürfe zutreffen, wird in einem Verfahren in der Türkei geklärt werden. Sich für einen deutsch-türkischen Untersuchungsgefangenen mit der einhergehenden Behauptung einzusetzen, die Vorwürfe seien nach türkischem Recht unhaltbar, halte ich ohne genaue Kenntnisses des türkischen Rechts für anmassend und arrogant. Im Ergebnis interessiert es in Deutschland keine Sau, ob sich Yücel tatsächlich strafbar gemacht hat, denn das durch Presse und Regierung initiierte Volksempfinden geht nahezu einhellig von der Unschuld Yücels aus. Das darf man auch anders sehen. Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz blieb übrigens weiter in US-Gefangenschaft, weil die deutsche Regierung ein Angebot der Vereinigten Staaten auf Freislassung ausgeschlagen hatte, obwohl die Nachrichtendienste beider Staaten von seiner Unschuld überzeugt waren. Der war allerdings auch kein Journalist im Dienste der Springer-Presse.

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    2. Herr Möbius, Sie haben recht. Es ist Politik.

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  7. . Lutz Tillmanns, der Geschäftsführer des Deutschen Presserates hat sich bei mdr um 12 www.youtube.com/watch?v=tc7tVEgsQr8&feature=youtu.be unmissverständlich zum eklatanten Angriff auf die Pressefreiheit geäußert. Echo: gleich Null!

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  8. Und auch deshalb bitte kein Wegsehen hiervon: "... Ein 4-köpfiger Rechercheverbund, körperlich und wirtschaftlich geschädigt, in seiner Existenz vernichtet. Das NDR-Medienmagazin ZAPP berichtete ebenso als JournalistenBlatt und BILD, wie auch Lutz Tillmans, Geschäftsführer des Deutschen Presserates, eindeutig Stellung bezog. 39 Strafverfahren gegen JournalistInnen im Rahmen ihrer Tätigkeit sind alleine in Sachsen bekannt: das bundesweit Aufsehen erregende Verfahren gegen die Leipziger Journalisten Datt und Ginzel war im Zusammenhang mit dem Sachsensumpf also nur die Spitze des Eisberges. ..."? Abarbeiten am Ausland ist eben einfacher, als das unbequeme Kehren vor der eigenen Haustüre! Kollegialität und Zivilcourage bleiben jedoch auf der Strecke!

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    1. Sie posten: "Kollegialität und Zivilcourage bleiben jedoch auf der Strecke!"

      Das stimmt. Den Grund sehe ich darin, dass Zensur dem Mediengeschäft nicht abträglich ist.

      Die Zeitungsverlage der DDR erzeugten angesichts deren hohen Auflage Neid bei Springer und dem sonstigen Boulevard. Die Journalisten waren privilegiert, gehörten zur den Insiders, der Elite.

      Von der Tendenz her läuft es in Deutschland Heute nicht anders. Die Polit9ik um den Journalistenausweis ist ein Indiz dafür. Journalisten haben Recherche- und Informationszugangsprivilegien. Weshalb sollen sich diese durch Kollegialität und Zivilcourage und eigene Fleisch schneiden?

      Bin gespannt, wie sich Yücel entwickeln wird. Auch er wird an die Grenzen der deutschen Pressefreiheit stoßen, wie seinerzeit mit seinem taz-Artikel. Die 20.000,- € Geldentschädigung hat allerdings die taz übernommen. Nicht alle Journalisten haben solch ein Glück.

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    2. "Bin gespannt, wie sich Yücel entwickeln wird. Auch er wird an die Grenzen der deutschen Pressefreiheit stoßen, ..." ... nicht die Bohne ... es wird teils vermutet ein autorisierte Helden, bzw. eher Lohnschreiber Literat der Stippenzieher wie auch Jan Böhmermann und Oliver Welke nichts mit Satire ... aber von der Hofnarr-These distanzier ich mir

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    3. Anonym, hier hast Du wahrscheinlich sogar recht.

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  9. Hart aber "un"-fair Gisela Friedrichsen über Menschenanzünder, ach die armen MUFL`s (minderjährige unbegleitete Flüchtlinge) da muss Milde, wer dagegen dem Geistesadel, dem Hirnadel, dem Herrenvolk (Coudenhove-Kalergi; Adel; Leipzig 1922) Widerworte geben ... volle Stänge über welche die Justiz

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  10. Was mich mal interessieren würde: Ging es nicht etwa bei der Frau "Turbo-Q" hauptsächlich um einen Alexander zu Schaumburg-Lippe? Saß sie ein, weil sie den blinden Hass des unechten Fürsten auf ANDERSDENKENDE vertrat? Und wenn JA, wie fühlt es sich für diese Frau an, dass ein Alexander zu Schaumburg Lippe sie weder im Knast besuchte, noch ihre Nähe wünscht?

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