Mittwoch, 5. November 2014

Borussia Dortmund verweigert Eintritt und wird verurteilt

Dem Kläger wurde trotz der Vorlage einer gültigen Eintrittskarte der Zutritt zum DFB-Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg verweigert, ausserdem wurde seine Eintrittskarte eingezogen. Zur Begründung wurde von Borussia Dortmund die Sperrung des über ebay erworbenen Tickets genannt.

Die Eintrittskarte berechtigte allerdings zum Eintritt ins Stadion und ist ein Inhaberpapier, auf Grund dessen ihm die Borussia als Herausgeber des Papiers den Eintritt hätte gewähren müssen. Denn bei einem Fußballticket handelt es sich wie bei einem Wertpapier jeweils um eine Urkunde, die ein Privatrecht - den Zugang zum Spiel - verbrieft, das ohne diese Urkunde nicht geltend gemacht werden kann. Derartige Eintrittskarten sind damit sogenannte kleine Inhaberpapiere im Sinne des § 807 BGB, die nach herrschender Auffassung den Wertpapieren zugerechnet werden.

Ein zulässiger Grund für die Einziehung der Eintrittskarte sowie für die Verweigerung des Zutritts zum Stadion war nicht gegeben. Auch dass das Ticket von Borussia Dortmund zum Preis von 52,00 € ausgegeben und vom Kläger zu Kosten in einer Gesamthöhe von 94,50 € über ebay von einem Dritten gekauft wurde, war unerheblich. Denn die Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB) der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA galten durch den Erstkauf eines Dritten nicht gegenüber dem Zweiterwerber und ein wettbewerbsrechtlicher Verstoß wegen Verleitung zu fremdem Vertragsbruch war nicht ersichtlich.

Zudem kann Privatpersonen aufgrund eines Ticketaufdrucks nicht der Zugang zum Spiel untersagt werden, denn ein den Weiterverkauf und Erwerb sanktionierender Aufdruck ist keine Einwendung im Sinne von § 796 BGB zu Gunsten des Verwenders. Der Ticketaufdruck bindet die Zweitkäufer auch mangels Kenntnisnahme vor Vertragsschluss nicht, wie das bisweilen per Abmahnung von Bundesligaclubs behauptet wird. Obwohl die Borussia zunächst aussergerichlich aufgefordert wurde, sämtliche Kosten für die Ticketsperrung zu erstatten, war sie erst nach Erhebung einer Klage bereit, die Kosten für die Eintrittskarte nebst Anwaltskosten zu erstatten und erkannte den Klageanspruch des abgewiesenen Fans vollumfänglich an, (Amtsgericht Dortmund, Az.: 421 C 7921/14).

Kommentare:

  1. Hat der Verkäufer des Ebay-Tickets, sofern er dem BVB bekannt ist, etwas zu befürchten?

    In den ATGB, Nr. 6 (2), ist ein Weiterverkauf ja unter gewissen Bedingungen untersagt

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    1. Borussia Dortmund wollte den Schadensersatz zunächst nur gegen Lieferung des Namens des ebay-Verkäufers zahlen. Nur weil Borussias Anwalt die Vergleichsverhandlungen ungeschickt geführt hat, kam es zu einer Klage und der Ersterwerber blieb unbekannt. Andernfalls hätte der ebay-Verkäufer sicherlich Post aus Dortmund bekommen. http://www.rechtsanwaltmoebius.de/publikationen/Bundesligakarten-Aufsatz-RalfMoebius.pdf

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  2. Wie konnte Borussia Dortmund dann das Ticket sperren bzw, wie konnte beim Einlass Ihres Mandanten jenes Ticket identifiziert werden, wenn der Ersterwerber nicht bekannt war? Das Ticket kann doch nur gesperrt, bzw. erkannt werden, wenn die Nummer (Bestellnummer, Barcode-Klarnummer) auf der Karte bekannt ist.

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    1. Ergänzung: Borussia Dortmund hätte den Ersterwerber doch anhand der auf dem Ticket aufgedruckten Bestellnummer ermitteln können, sofern das Ticket eingezogen wurde, oder.

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    2. Das Ticket wurde wohl mehrfach weiterverkauft, auch über ebay. Ich nehme an, dass ein ebay-Foto des Tickets zur Sperrung geführt hat. Karten können doch auch anonym gekauft werden, oder?

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    3. Vielen Dank für die zügige Antwort.

      Aber es bleibt immer die Bestellnummer auf dem Ticket vorhanden, die ja eindeutig dem Ersterwerber zuzuordnen ist. Sie wird ja vom Ticketing vergeben, Borussia Dortmund hätte doch dann nur schauen müssen, wer dieses Ticket zuerst gekauft hat. Entschuldigen Sie bitte, wenn ich einen Denkfehler habe.

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    4. Ihre Argumentation setzt voraus, dass kein Ticket ohne Aufnahme der Personalien verkauft wird. In Hannover kann ich jedenfalls ohne Angabe meines Namens Karten kaufen.

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    5. Ah ok, verstanden. Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.

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    6. Korrekt, auch beim BVB können Eintrittskarten ohne Vorlage eines Ausweises in der Geschäftsstelle oder VVK Stelle gekauft werden. Das setzt einen freien Verkauf voraus, bei reinen Mitgliederverkäufen funktioniert das nicht. Dies war beim Pokalspiel allerdings gegeben.

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  3. Wer kauft denn derzeit überhaupt BVB-Karten?

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  4. Hallo
    ich bin abgemahnt wurden vom BVB wegen fehlender ATGB und Logo Verwendung in der Unterlassungserkärung
    wird mir nur der Verkauf Verboten.
    Ist das ok oder stimmt da was nicht.
    lg

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